[Metalab] Wenzel Storch: Der Speckpater

das ende der nahrungskette jg at monochrom.at
Mon Apr 7 11:06:27 CEST 2008


Der Speckpater

monochrom gibt sich die Ehre Wenzel Storchs 
Eroerterung „Der Speckpater. Die Dampfwalze 
Gottes. Eine autobiographische Reise in die 
Lektuerewelten eines Messdieners“ zu 
praesentieren. Wie in seinen legendaeren (und 
seit laengerem schon als DVD-Sonder-Edition mit 
tonnenweise Zusatzmaterial angekuendigten) Filmen 
„Der Glanz dieser Tage“ (1989), „Sommer der 
Liebe“ (1993) und „Die Reise ins Glueck“ (2004) 
verarbeitet Storch auch hier seine 
Nachkriegskindheit im Milieu einer provinziellen 
deutschen unteren Mittelschicht mit einem 
seltenen phaenomenologischen Sinn fuers Detail 
und die subtile Variation und Artenvielfalt des 
Immergleichen. Das trashkulturelle Sammelsurium, 
das er in erstaunlicher Akribie ausbreitet, 
durchdringt dabei sein Material um ein Vielfaches 
genauer und klueger als der Humorbierernst von 
Comedy oder Kult-Kultur, die meist nur von ihrer 
eigenen Erkenntnisunfaehigkeit sprechen. Und 
anstatt bloss in handliche Klischees zu 
verniedlichen, wird das Grauen, das hinter dem 
netten Quatsch ja auch lauert, en passant mit erzaehlt.
Ausgehend von der publizistischen Parallelwelt 
des 1970er-Hardcore-Katholizismus mit Organen wie 
„Echo der Liebe“, „Stadt Gottes“, „Der Weinberg“, 
„Missio Aktuell“, „Bonifatiusblatt“ und 
„Liboriusblatt. Die grosse Wochenzeitung fuer die 
katholische Familie“ stoesst Stroch auf den 
Moench Werenfried van Straaten aus der 
Praemonstratenserabtei von Tongerlo. Unter den 
noms de guerre „Der Speckpater“ und „Die 
Dampfwalze Gottes“ organisierte van Straaten die 
so genannte „Ostpriesterhilfe", eine 
Kampforganisation zur Unterstuetzung der Kirche 
in der kommunistischen Diaspora des 
Nachkriegs-Europa. Neben materiellen Hilfsguetern 
als zu leistende Aufbauhilfe ging es dabei auch 
um die Bereitstellung von ideologischem Ruestzeug 
im Kampf gegen den Atheismus. Im Zusammenhang der 
deutschen Vertriebenen-Kultur der BRD war dies 
eine zugleich lustig bizarre aber eben auch 
todernst revanchistische Angelegenheit. Vom 
post-faschistischen Horror und ebenso von der 
Absurditaet solcher Projekte zeichnet Wenzel 
Storch ein genaues Bild. Und waere das nicht die 
allerschlimmste aller vollautomatischen 
Kabarettprogrammankuendigungsphrasen, koennte 
man/frau/sonstige hier tatsaechlich mal von jenem 
Lachen sprechen, das im Hals stecken bleibt. Aber lesen Sie selbst


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