Energie budget Lichtbogenschweißen
Leute, ich habe ein essentielles Problem mit der Theorie des Lichtbogenschweißens! (Das hier ist für Schweißer und Theoretiker, den Anderen: Sorry for the spam!) Damit Elektronen ein Metall verlassen, muss die Austrittsarbeit investiert werden, ca. 5eV bei Metallen. Ich habe die Temperatur des Lichtbogens, die Energie investiert: ca. 0.3eV bei 3000°, sind wir mal Gnädig und sagen 0.5eV. Das geht sich alleine so nicht aus. Ich habe mal das hier ausgegraben: https://canteach.candu.org/Content%20Library/20053426.pdf (Phsyik des Schweißens, würde ich allgemein sehr empfehlen!) die beschreiben da den Arc so, dass knapp vor der Kathode bzw. knapp vor der Anode die meiste Spannung abfällt. Physikalisch würde ich interpretieren, dass dort Ionen bzw. Elektronen fast frei beschleunigt werden, und mit dieser Energie ins Material einschlagen. Heißt, einschlagende Ionen setzen investieren nochmal Energie, nämlich U*q. Sind wir mal großzügig und behaupten, 60% der Spannung fallen direkt vor der Kathode ab. (realistischer sind 20-50%) Damit lässt sich diese Formel aus dem pdf gut nachvollziehen: Q = I*(V - phi - 3 k T / (2e) ) Wobei Q der Wärmefluss, I der Strom, phi die 5eV austrittsarbeit sind und V die 60% angelegte Spannung. Soweit, so gut. Wenn man jetzt aber mit 5V schweißt, hat man plötzlich negativen Wärmefluss. Also die Kathode müsste gekühlt werden. Das ... stimmt halt nicht. (Man kann das auch umformen auf die Gleichgewichtstemperaturn: 3 k T/(2 e) = V-Q, also auch negativ) Mir fehlt eine Energiequelle. Oder ihr arbeitet alle mit tunnelnden Elektronen, was bei >10A Nobelpreisverdächtig wäre! ;) mfg Paul
Hallo Paul, über die Austrittsarbeit der Elektronen etc. schreibe ich nichts, weil ich die Details nicht weiß. Makroskopisch betrachtet ist die erforderliche bzw. gegebene Leistung einfach U * I, wobei die Spannung unmittelbar zwischen Werkstück und Elektrode gemessen wird. Je nach Verfahren wird ein größerer oder kleinerer Teil dieser Leistung ins Werkstück bzw. in in die Schmelzwärme eingebracht (ca. 0,4 - 0,9). Die Lichtbogenspannung liegt in der Praxis meist zwischen 15V und 30V, wenn man korrekt schweißt. Die Verluste entstehen durch Abstrahlung von Energie aus dem Lichtbogen in die Umgebung und Abwandern von Wärme (vor allem aus der Schmelze) in die Umgebung. Die Austrittsarbeit der Elektronen aus dem Metall verschwindet ja nicht im Nichts, sondern die Elektronen tragen sie mit und heizen damit entweder das Plasma im Lichtbogen oder die Gegenelektrode auf. Daraus rührt übrigens der Unterschied im Schweißverhalten von Elektroden am Plus- oder Minuspol. Ein guter Teil der Schmelzleistung wird über Strahlung aus dem Lichtbogen in den Werkstoff eingetragen, ein kleinerer Teil ist Widerstandserwärmung. Der Lichtbogen hat eher 8000°C+ (jemand bessere Zahlen?), daher ist er eine intensive UV-Quelle - jedenfalls ist er deutlich blauer als die Sonne. Je länger der Lichtbogen, desto höher die Spannung. Daher ist es wichtig, beim E-Hand-Schweißen den Lichtbogen kurz zu halten (ca. 1/2 Elektrodendurchmesser bzw. 1,5 bis 4mm). Macht man das nicht, steigt bei konstantem Strom die Lichtbogen- Leistung, die Strahlungsquelle (der Lichtbogen) wird schlanker und strahlt mehr zur Seite und man erzeugt Einbrandkerben. Es wird auch das Werkstück unnötig bzw. schädlich erwärmt. Es ist allerdings so, dass man den Effekt auch nutzen kann, um am Anfang einer Naht durch kurzes leichtes Anheben der Elektrode den Werkstoff lokal mehr zu erwärmen, Stichwort "hot start". Ich hoffe das hat zur Klärung beigetragen - mir ist nämlich nicht ganz klar, was die Frage ist. Danke für den Link. LG, Armin On 2017-01-06 21:11, Paul Hayden wrote:
Leute, ich habe ein essentielles Problem mit der Theorie des Lichtbogenschweißens!
(Das hier ist für Schweißer und Theoretiker, den Anderen: Sorry for the spam!)
Damit Elektronen ein Metall verlassen, muss die Austrittsarbeit investiert werden, ca. 5eV bei Metallen. Ich habe die Temperatur des Lichtbogens, die Energie investiert: ca. 0.3eV bei 3000°, sind wir mal Gnädig und sagen 0.5eV. Das geht sich alleine so nicht aus. Ich habe mal das hier ausgegraben: https://canteach.candu.org/Content%20Library/20053426.pdf (Phsyik des Schweißens, würde ich allgemein sehr empfehlen!) die beschreiben da den Arc so, dass knapp vor der Kathode bzw. knapp vor der Anode die meiste Spannung abfällt. Physikalisch würde ich interpretieren, dass dort Ionen bzw. Elektronen fast frei beschleunigt werden, und mit dieser Energie ins Material einschlagen. Heißt, einschlagende Ionen setzen investieren nochmal Energie, nämlich U*q. Sind wir mal großzügig und behaupten, 60% der Spannung fallen direkt vor der Kathode ab. (realistischer sind 20-50%) Damit lässt sich diese Formel aus dem pdf gut nachvollziehen: Q = I*(V - phi - 3 k T / (2e) ) Wobei Q der Wärmefluss, I der Strom, phi die 5eV austrittsarbeit sind und V die 60% angelegte Spannung. Soweit, so gut. Wenn man jetzt aber mit 5V schweißt, hat man plötzlich negativen Wärmefluss. Also die Kathode müsste gekühlt werden. Das ... stimmt halt nicht. (Man kann das auch umformen auf die Gleichgewichtstemperaturn: 3 k T/(2 e) = V-Q, also auch negativ)
Mir fehlt eine Energiequelle. Oder ihr arbeitet alle mit tunnelnden Elektronen, was bei >10A Nobelpreisverdächtig wäre! ;)
mfg Paul
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Okay, mit 15-30V sieht die Sache ganz anders aus, damit geht sich das Budget locker aus. (Die Frage wäre ca. "Was übersehe ich/wo liegt mein Irrtum?" Anscheinend bei der verwendeten Spannung, mir wurde vor ewigkeiten einst gesagt, dass 5V für den Lichtbogen bei entsprechend hohem Strom reichen würde ...) P.S.: die Lösungsenthalpie der Elektronen im Plasma ist vergleichsweiße gering, heizt also kaum. Das Plasma sollte tatsächlich nur durch Ionen-Reibung entstehen. (Also beschleunigte Ionen, die kinetische Energie in Wärme umwandeln, wenn sie auf Gaspartikel stoßen.) Im Anoden-Material aber wird die Austrittsarbeit tatsächlich wieder frei, und heizt das Material entsprechend. mfg Paul
Folgefrage: Kennt jemand Methoden, um auszurechnen, was die niedrigste Frequenz für wechselstrom-Schweißen ist? Oder anders gesagt: Wie lange bleibt der Plasma-Kanal des Arcs bestehen? mfg Paul
Teilnehmer (2)
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Armin Faltl -
Paul Hayden